Sinnbild Verschlusszeit

Die Verschlusszeit beim Fotografieren ? was steckt dahinter?

Sie haben sich noch nie Gedanken über die Verschlusszeit gemacht? Keine Sorge – um Ihnen die Funktionsweise zu verdeutlichen, haben wir ein kleines Experiment für Sie vorbereitet. Und zwar: Schließen Sie für einen kurzen Moment die Augen, öffnen Sie sie wieder und noch einmal dasselbe Spiel. Glückwunsch, Sie haben gerade die Systematik des Kameraverschlusses nachgespielt!

Wenn Sie nun wissen möchten, was es mit der Verschlusszeit auf sich hat und wie Sie gut belichtete Bilder aufnehmen, dann lesen Sie weiter. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen alles, was Sie darüber wissen müssen.

Verschlusszeit: Was ist das und wofür ist sie zuständig?

Die Verschlusszeit, auch als Belichtungszeit bekannt, gibt an, wie lange die Kamera den Verschluss offen lässt, damit Licht auf den Sensor fällt.

Jede Kamera ist mit einem Verschluss ausgestattet. Dieser befindet sich direkt vor dem Sensor und geht nur auf, wenn Sie den Auslöser betätigen, um ein Bild zu machen. Exakt in diesem Moment hören Sie ein Geräusch, genauer gesagt ein mechanisches Klicken. Der Verschluss wird geöffnet.

Je nachdem, wie schnell sich der Verschluss bewegt, ist von einer kurzen oder langen Verschlusszeit die Rede.

Welchen Effekt hat die Änderung der Belichtungszeit?

Je länger die Belichtungszeit, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Dadurch kann gesteuert werden, wie stark ein Bild belichtet werden soll - und wie hell es letzendlich ist.

Darüber hinaus können Sie mit der Verschlusszeit schnelle Bewegungen scharf abbilden, sie sozusagen „einzufrieren“ oder mit einer langen Verschlusszeit Bewegungsabläufe abbilden. So fangen Sie tolle Momente ein!

Ein Beispiel: Sie möchten Bilder in Ihrer Wohnung oder Ihrem Studio machen? Da Sie hier nicht viel Tageslicht haben, entscheiden Sie sich für eine lange Verschlusszeit, damit möglichst viel von dem ohnehin wenig vorhandenen Licht in die Kamera gelangt. Wenn Sie allerdings draußen sind und bei strahlendem Sonnenschein ein Shooting geplant haben, mangelt es an natürlichem Licht keineswegs. Damit Ihr Bild nicht zu hell wird, fotografieren Sie mit einer kurzen Belichtungszeit.

Kurze vs. lange Verschlusszeiten – wann verwende ich was?

kurze Verschlusszeiten (z. B. 1/4000)

  • bei schnellen Bewegungen von spielenden Kindern oder bei der Sport- und Tierfotografie
  • bei sehr hellen Lichtverhältnissen (am Strand, im Schnee …)
  • bei langen Brennweiten
Beispielbild: Kurze Verschlusszeit

Beispielbild mit kurzer Verschlusszeit: Das Wasser wirkt scharf.

lange Verschlusszeiten (zwischen 2 und 30 Sekunden)

  • bei (sehr) langsamen bis gar keinen Bewegungen
  • bei schlechten Lichtverhältnissen (in geschlossenen Räumen, in der Nacht …)
  • bei gewollter Bewegungsunschärfe, um Geschwindigkeit und Dynamik zu verdeutlichen (fließendes Gewässer, „Mitzieh-Effekt“ im Sportbereich)
Beispielbild: Lange Verschlusszeit

Beispielbild mit langer Verschlusszeit: Das Wasser wirkt seidig.

Wie werden Verschlusszeiten angegeben?

Schnelle Verschlusszeiten werden in Sekundenbruchteilen aufgeführt. Dabei sind moderne DSLR-Kameras in der Lage, schnelle Belichtungszeiten von bis zu 1/4000 Sekunde zu erreichen. Andere Modelle messen sogar in 1/8000 Sekunde.

Auf der anderen Seite der Skala erwarten Sie die langen Belichtungszeiten – diese werden in ganzen Sekunden angegeben. In der Regel erstreckt sich die Spanne von 2 bis 30 Sekunden.

Gut zu wissen: Bei den meisten Kameras werden Sekundenbruchteile als ganze Zahlen angezeigt. Wenn Sie also eine Zahl samt nachgelagerter Anführungszeichen sehen, handelt es sich um eine Sekunde: 1“. Ist der Bruchteil einer Sekunde gemeint, wird beispielsweise die 250 für 1/250 verwendet.

Hier einige Beispiele:

  • 5" = 5 Sekunden Verschlusszeit
  • 5 = 1/5 Sekunden Verschlusszeit
  • 250 = 1/250 Sekunden Verschlusszeit
Visualisierung der Verschlusszeit

Wie hängen Blende, ISO-Zahl und Verschlusszeit zusammen?

Neben Blende und ISO-Zahl ist die Verschlusszeit für die Steuerung der Bildhelligkeit verantwortlich. Wie lang oder kurz Sie die Belichtungszeit wählen, bestimmt am Ende, wie hell oder dunkel Ihr Foto wird. Außerdem beeinflusst sie die Verwacklungsgefahr beim Fotografieren ohne Stativ. Um ein optimal belichtetes Bild aufnehmen zu können, sollten alle drei Einstellungen aufeinander abgestimmt sein.

Verschlusszeit einstellen: So geht’s

Wie auch Blende und ISO-Zahl können Sie die Verschlusszeit manuell an Ihrer Kamera einstellen. Möchten Sie sich ausschließlich auf die Belichtungszeit konzentrieren, eignet sich der Modus Blendenautomatik. Dieser wird vor allem gern von Anfängern genutzt, aber auch Profis profitieren von ihm. Gerade bei einem Outdoor-Shooting kann sich der Modus als sehr nützlich erweisen, da das Licht ständig wechselt. Je nach Kameramodell wird die Blendenautomatik mit einem S oder T gekennzeichnet.

Nun können Sie die Belichtungszeit mithilfe eines kleinen Rädchens nach Belieben anpassen. Drehen Sie es nach rechts bzw. links, verändert sich die Verschlusszeit und demzufolge die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Sensor trifft.

Verschlusszeit-Regler an Kamera

Gut zu wissen: Sie wollen Blende und Verschlusszeit unabhängig voneinander wählen? Dann empfehlen wir den manuellen Modus M.

Mechanischer oder elektronischer Verschluss?

Ursprünglich war der Verschluss einer Kamera ein mechanisches Bauteil, das sich in ihrem Inneren befindet und sich beim Fotografieren öffnet und schließt. Mittlerweile kommt in immer mehr Smartphone- und Digitalkameras ein elektronischer Verschluss zum Einsatz. Hierbei wird dem Sensor ein elektronisches Signal übermittelt, wenn er ein Bild machen soll. Dadurch können Sie Fotos bzw. Serien schneller aufnehmen, gleichzeitig müssen Sie aber eine verringerte Bildqualität in Kauf nehmen. Außerdem saugt der elektronische Verschluss gehörig am Akku. Bei einem iPhone können Sie beispielsweise nicht mehr als 1/4 Sekunde bei der Belichtungszeit einstellen.

3 Tipps zur Verschlusszeit: Darauf kommt es an

Tipp 1

Wie so oft beim Fotografieren heißt es auch hier: Übung macht den Meister! Schnappen Sie sich Ihre Kamera und probieren Sie fleißig. Sie werden sehen, mit der Zeit wissen Sie sofort, welche Belichtungszeit für eine bestimmte Situation geeignet ist.

Tipp 2

Wenn Sie die Verwacklungsgefahr beim Fotografieren minimieren möchten, sollten Sie kurze Verschlusszeiten sowie eine höhere ISO-Zahl wählen, die Blende weiter öffnen und die Kamera auflegen oder mithilfe eines Stativs Die Lichtmenge ist außerdem maßgeblich für eine gute Aufnahme.

Tipp 3

Natürlich können Sie die Bewegungsunschärfe auch absichtlich benutzen – für kreative Bilder. Lassen Sie bestimmte Elemente auf einem Foto verwischen, um so eine schnelle Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Verwenden Sie dafür lange Verschlusszeiten (1/60 bis 1/30) und folgen Sie dem Objekt mit Ihrer Kamera.